Ich habe doch keine Wahl!

Bewusste Entscheidung für das, was ist.

 

 

Der Gedanke „Keine andere Wahl“ zu haben raubt Kraft. Und doch ist er Jedem von uns an bestimmten Punkten des Lebens wohlbekannt.

Er kann sich auf den Beruf beziehen, der schon lange nicht mehr die Freude bereitet, die wir einmal hatten. Oder es geht umeine Partnerschaft, die im Laufe der Zeit mehr Last als Glück bringt.

 

Der Kopf wandert von einer Möglichkeit zur nächsten, wägt ab, bewertet, differenziert und kommt immer wieder zum gleichen Schluss - Kein Weg scheint richtig zu sein, also beschreiten wir einen davon (meist den einfachsten), das Leid bleibt, aber es nützt ja nichts – wir haben keine Wahl.

 

Doch das ist nicht richtig. Wir haben eine Wahl.

Immer.

 

Jedoch nur solange wir keine Bedingungen an die Situation knüpfen.

 

 

 

 

Es ist harte Arbeit, Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass wir in unserem Handeln immer frei sind. Natürlich kann man nicht frei aus allen Möglichkeiten der Welt wählen – wohl aber aus den individuellen Möglichkeiten des Lebens. Die Bedingungen, die uns in unserer Wahlfreiheit einschränken sind meist an Bequemlichkeit oder Angst vor Schmerz geknüpft.

 

Kann ich den Beruf wirklich nicht wechseln? Warum? Vielleicht habe ich eine Familie zu ernähren oder eine teure Wohnung zu bezahlen. Ich würde weniger Geld verdienen.

 

Doch was nimmt mir nun wirklich die Möglichkeit, mich zu entscheiden? Nicht die Situation an sich, sondern die Bedingungen und Bedürfnisse, die an die Situation geknüpft sind.

 

Es geht hier nicht darum, verantwortungslos zu handeln. Am Ende ist die Entscheidung, die wir zuvor getroffen hatten (als wir unserer Empfindung nach „keine Wahl“ hatten), vielleicht ja sogar richtig.

 

Es geht hier um das Bewusstsein dahinter.

Darum, das Gefühl „ausgeliefert zu sein“ aufzulösen. Denn genau hier liegt unser Problem, nicht in der Situation an sich, so schwer das am Anfang greifbar erscheint.

 

Dieses Gefühl können wir auflösen, indem wir uns bewusst für eine Möglichkeit entscheiden. Indem uns klar machen, dass grundsätzlich mehrere Wege offen wären – wir uns allerdings aufgrund unserer Bedingungen und Bedürfnisse für die jeweilige Richtung entscheiden.

 

Nun haben wir also ein Stück innere Arbeit vor uns.

Wir betrachten die Situation als solche, so nüchtern wie möglich. Genauso betrachten wir die Wahlmöglichkeiten, die wir haben. Erstmal ganz ohne Wertung und ohne die jeweiligen Wege zu Ende durchzuspielen. Schlicht und einfach die Möglichkeiten.

 

Ich kann meinen Job behalten.

Ich kann den Job sofort kündigen.

Ich kann mir einen neuen Job suchen und bis dahin weiter arbeiten.

Ich kann mein Leben aufgeben und als Selbstversorger fernab der Zivilisation neu beginnen.

 

Und so weiter.

 

Und dann – und wirklich erst dann – machen wir uns unsere Bedingungen und Bedürfnisse bewusst.

 

Möchte ich meinem Kind ein glückliches Leben bieten, das nicht am Existenzminimum liegt? Muss ich wirklich den neuesten BMW fahren? Möchte ich meine Frau/meinen Mann weiterhin um mich haben?

 

Dann verbinden wir Beides. Natürlich möchten wir für unser Kind das Beste. Also behalten wir für den Moment den Job.

(Weiterführende Gedanken – leicht ab vom Thema – wären: Vielleicht haben wir demnächst eine Möglichkeit, Beides in Einklang zu bringen, wenn wir daraufhin arbeiten. Uns weiterbilden, uns Zeit lassen, die Arbeit zu finden, die Beides ermöglicht.)

 

An der Situation hat sich vorerst nichts geändert, nein. Wohl aber am Gefühl der Verzweiflung. Denn nun sind wir dem Leben nicht mehr ausgeliefert, sondern wir wissen, warum wir tun, was wir tun. Wir haben den Weg bewusst gewählt.

 

 

Man kann im Leben nicht alles haben (auch wenn so mancher spirituelle Guru uns das weismachen möchte). Aber man kann ein anderes Bewusstsein entwickeln für das, was man hat. Dieser Weg steht ausnahmslos jedem offen.


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